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Ausstellungen

NATUR – VEGETATION IV

ORDNUNGSSYSTEME

2. Dezember 1998 – 16. Jänner 1999

Susanne Gamauf (AT), Robert F. Hammerstiel (AT), Paul den Hollander (NL), Dieter Huber (AT), Waltraud Palme (AT), Margherita Verdi (IT)

Kataloge | Schwerpunkt: NATUR – VEGETATION 1998

 

Der Themenschwerpunkt Natur – Vegetation wurde nach Sichtung des eingelangten Materials in vier Unterbereiche gegliedert. Alle beteiligten KünstlerInnen wurden aufgrund einer langjährigen Beschäftigung mit dem Generalthema angeschrieben oder von ausländischen KuratorInnen vorgeschlagen. KünstlerInnen mit speziellen Sehweisen und fotografischen Praktiken, die in einer inhaltlichen Nähe liegen, sind vom Team der FOTOGALERIE WIEN zu Gruppen zusammengefaßt worden.

Die vierte Ausstellung trägt den Titel Ordnungssysteme. Sammeln, Ordnen, Verändern: In den Generationenvertrag der Natur greift der Mensch immer wieder ein, es bleibt nicht beim Dokumentieren. Bei der Wahrnehmung der Künstler von Natur und dem Kultivierungspotential zeichnet sich ein Generationenwechsel ab, der aber mit dem wahren Alter der handelnden Personen nicht gleichzusetzen ist. Geht man davon aus, daß sich in der Kunst eine Vorgangsweise des ordnenden Bewahrens, zu soziologischen Recherchen und kulturpolitischen Ansätzen ge-wandelt hat, die schlußendlich zur Akzeptanz des Generativen (und sei es auch mit ironischer Distanz) geführt haben, müßte das Alter der KünstlerInnen mit der Reihenfolge der Vor-gangsweisen übereinstimmen. Nur, so einfach und linear geht es weder in der Kunst noch in der Vegetation zu.

Eine botanische Reise führt Paul den Hollander zur Reise der Pflanzen durch die Jahrtausende. Evolution und Ortswechsel von Vegetation werden in einer Zusammenschau verschiedener sammelnder Institutionen zu einem zeitgemäßen Rückblick ge-bündelt. Eine Forschungsarbeit zu den Urmustern wird zum Formenvokabular für artistische Kombinatorik.

Dem Begriff „vegetativ“ geht Waltraud Palme in seiner Doppeldeutigkeit nach, als „Pflanzliches“ und als „ohne direkte Kontrolle“, wie es z. B. beim „vegetativen Nervensystem“ gedacht ist. Sie frönt ihrer Sammlerlust, nutzt ein altes Herbarium, teilt es in real eingebrachte Objekte und ihren Schatten. In der Fototechnik „Fotogramm“ bleibt der Schatten, den das Objekt auf dem lichtempfindlichen Papier zurückläßt, weiß, während die Umgebung sich zum dunklen Hintergrund entwickelt.
Margherita Verdi sammelt ihr Bildmaterial in botanischen Gärten. Die Künstlichkeit solcher Anlagen verdoppelt sie durch ihre künstlerische Vorgangsweise. Die Bildausschnitte aus der pflanzlichen Wunderwelt changieren zwischen künstlicher Wirklichkeit und wirklicher Künstlichkeit. Als Grenze kann auch der Rahmen nicht halten, das Bild fließt in den Raum.

Robert F. Hammerstiel enttarnt dank soziologischer Recherchen die Lebensgewohnheiten und Lebenswünsche als käufliche Wa-re. Glücksfutter, eine neue Arbeit mit normierten Heimpalmen, entspricht den von findigen Werbestrategen und Marketingma-nagern entworfenen „heimlichen“ Glückswünschen, also der Vorstellung, man könne das Abenteuer einpacken und zu Hause zur gefälligen Betrachtung aufstellen. Natur im Kreislauf der Warenwunderwelt ist domestiziert.

Die Gärten der Künstlerin, wie sie Susanne Gamauf entwickelt, zielen dagegen auf den Kulturauftrag, der den KünstlerInnen von jeher ins Stammbuch geschrieben war. Ihre Neuordnungen von vegetativen Substanzen vermitteln Transparenz und die ordnende Hand, welche mit den Ressourcen umzugehen versteht.

Dieter Huber hat offensichtlich kein Problem mit dem Generieren und dem Generationenvertrag, im Zeitalter neuer Mediewirklichkeiten klont er. Das natürliche Vorbild und das künstlerische Endprodukt verweisen auf die empirische Kraft der Kunst, im siebten Bilderhimmel ist alles erlaubt, nichts ist undenkbar. Im Gegensatz zur ersten Generation der computer-generierten Fotokunst, ist Dieter Huber über sozio-politische Bildbotschaften hinausgewachsen. Seine Bilder bringen zwar auch poetische Reflektionen gesellschaftlicher Realitäten, in erster Linie jedoch baut er Zukunft (auch wenn da nicht alles so todernst gemeint ist).

Mit dieser Ausstellung schließt ein Zyklus, der Bildproduktion dem Wachstum gewidmet hat, dem vegetativen und dem künst-lerischen – die Überraschungen des nächsten Jahrtausends kün-digen sich bereits an.

(textliche Betreuung: Jana Wisniewski)