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Ausstellungen Werkschau

WERKSCHAU VII – RENATE BERTLMANN

Arbeiten 1976–2002

25. Juni 2002 – 31. Juli 2002

Renate Bertlmann (AT)

Kataloge | Editionen |

Eröffnung: Montag, 24. Juni 2002, 19:00 Uhr

WERKSCHAU VII ist die Fortsetzung der seit sechs Jahren jährlich stattfindenden Ausstellungsreihe der FOTOGALERIE WIEN, welche zeitgenössische KünstlerInnen präsentiert, die wesentlich zur Entwicklung der künstlerischen Fotografie und neuen Medien in Österreich beigetragen haben. Gezeigt wurde bisher ein Querschnitt durch das Schaffen von Jana Wisniewski, Manfred Willmann, VALIE EXPORT, Leo Kandl, Elfriede Mejchar und Heinz Cibulka. 

In der siebten Schau wurde das das facettenreiche Schaffen der vielseitigen Bildkünstlerin Renate Bertlmann gewürdigt, deren fotografische Investigationen und symbolträchtige Inszenierungen einen faszinierenden Beitrag zur „subjektiven Fotografie“ der letzten drei Dezennien darstellen.

In all ihren Arbeiten tritt Renate Bertlmann als Agentin des Skandalösen auf. Mit liebevoller Akribie und ironischer Distanz spürt sie seit den siebziger Jahren den vielfältigen Erscheinungsformen des Eros nach und rückt dabei die zentralen Facetten weiblichen Begehrens unvermittelt ins Bild.

Das zwischen Kitsch, Kunst und Tabu angesiedelte Oeuvre jongliert mit dem einst Verbotenen, demontiert es zum harmlosen Spielzeug und leistet damit hintersinnige Erinnerungsarbeit am Tabu.

Die Ausstellung offeriert eine stichprobenartige Auswahl aus den wichtigsten, in diesem Kontext stehenden Werkblöcken und versucht, das immense, seit Beginn der siebziger Jahre erarbeitete Ouevre in einem Überblick erahnbar zu machen. Der Bogen spannt sich von den frühen, aus Latex und Plexiglas gefertigten Objektzyklen Schnuller, die als Hommagé an die Sensibilität des Leibes gelesen werden wollen, über die Fotoserien Les Amants und Rénée ou René, die Performances zum Thema Rollenklischees dokumentieren, über die minuziös arrangierte Selbstauslösersequenzen, welche in obsessiver Weise die symbolische Praxis der Sexualität erkunden. 1978 entstand ein Plexiglas-Objekt mit dem Titel Amo ergo sum, das 77 Botschaften der Künstlerin und ihrer Zeitgenossen versammelt. Der programmatische Titel avancierte im Laufe der Zeit zum zentralen künstlerischen Motto, das Renate Bertlmann an Hand der drei Handlungsstränge Pornografie, Ironie und Utopie bis heute kontinuierlich weiterentwickelt.

Mitte der achtziger Jahre erwacht das Interesse an den unmittelbaren Objekten der sexuellen Begierde. Motive wie das Herz, die Vulva und der eregierte Phallus bevölkern in den unwahrscheinlichsten Maskeraden die opulenten Objektzyklen Ex Voto oder Devotionalien, die in malerischen und plastischen Medien realisiert werden und quasi in zweiter Instanz zum Material einer fotografischen Inszenierung avancieren. Die aktuellsten Beiträge sind digital generierte, mit Sound unterlegte Bildgeschichten , welche die Künstlerin als Short-Cuts bezeichnet. In wenigen Minuten eröffnen Bildfolgen wie Attack oder Looking Glass abgründige Mikrokosmen, welche von der Allgegenwart sinnlicher Sensationen träumen.
In all ihren Arbeiten durchsetzt Renate Bertlmann die Sphäre der Kunst mit unterschiedlichsten Assoziationen aus der Welt des Trivialen und thematisiert auf eine äußerst sinnliche und gleichzeitig hintergründige Weise, die Restbestände an sexuellen wie religiösen Konventionen und Tabus. Was die vielgestaltigen Inventionen, die von einer ungebrochenen Lust am Ambivalenten und Ironischen zeugen, dabei so ungemein attraktiv macht, ist die Art, wie sie die überkommene Klischees und kleinkarierte Geschlechtsrollenbilder ins Visier nehmen, ohne dabei jemals in belehrender Weise den Zeigefinder zu heben oder sich in snobistischer Pose zu alterieren.