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Ausstellungen

VIDEOSPECIAL – SPIEGELBILDER

Fotogalerie Wien - Kino

3. Mai 2006 – 28. Mai 2006

Adidal Abou-Chamat (SY), Rabea Eipperle (DE), Karø Goldt (DE), Barbara Hauser (AT), Birgit Laggner (AT), Doris Schmid (CH)

Eröffnung: 2. Mai, 19.00

FOTOGALERIE WIEN – KINO
Währinger Strasse 59/WUK, 1090 Wien
Di-Fr 16.00-19.00 / Sa 10.00-14.00


In den sechs ausgewählten Arbeiten zum Videospecial Spiegelbilder, steht
das psychologische Moment der Ich-Analyse, Eigenwahrnehmung versus Fremdwahrnehmung,
sowie gesellschaftliche Reflexion in Bezug auf Aneignungsmuster, im Vordergrund.

Adidal Abou-Chamat: Hertha und Polly, 2002, 33:40 Min.
Die 2 Kanalvideoarbeit Hertha und Polly behandelt das Thema eineiige Zwillinge,
Symbiose, Ähnlichkeit, Nähe und Distanz etc. Beide Frauen leben seit
Jahrzehnten weit voneinander entfernt, die eine mit ihrem Mann und Familie in
den USA, die andere mit Mann und Familie im Nahen Osten und Deutschland. Trotz
der räumlichen Trennung blieben sich die beiden aufs Engste verbunden.
Während die eine erzählt sieht die andere schweigend in die Kamera
und umgekehrt. Beide erzählen über ihr Leben, ihre Beziehung zueinander
etc.

Rabea Eipperle: redest du mit mir?, 2004, 10 Min.
Sie darf das, weil sie Künstlerin ist. Und sie meint es ja auch nicht so.
Wir dürfen dabei zuschauen, ohne dass sie uns wirklich sehen könnte,
obwohl sie uns direkt in die Augen stiert und wir dem Blick begegnen müssen
und uns anpissen lassen. Zum Glück wohnen wir nicht einer dieser Performances
bei, während der die Zuschauer so richtig erschreckt und bedroht werden;
wir gucken ja bloß fern.
Rabea Eipperles Video hat trotzdem etwas Quälendes. Standbilder leerer
Interieurs, wechseln sich mit kurzen, aggressiven Sprechszenen ab. Diese verbalen
Attacken sind Zitate aus Spielfilmen, in denen das Gewaltsame als einzig verfügbare,
quasi natürliche Verhaltensform jede Handlung bestimmt (Trainspotting,
Taxi Driver, Reservoir Dogs). Der Reiz dieses Genres entsteht bekannter weise
aus dem Konflikt, den es dem Publikum aufzwingt: Wir müssen und wir wollen
das Arschloch lieben und mit dem Bösen fühlen, wir meinen es ja nicht
so, wie gesagt, aber das Angebot ist unwiderstehlich. (…)
(Bettina Carl)

Karø Goldt: unilateral, 2006, 15 Min.
In uniliteral geht es um das Gespräch mit sich selbst. Dieses Selbstgespräch
findet zu allererst und selbstverständlich dann statt, wenn ein Künstler
sich selbst als Modell nimmt. Es findet im Schaffensprozess statt, sich selbst
immer als Objekt vor Augen. Es findet im Betrachter statt und immer dann, wenn
ein Mensch sich mit der eigenen Person auseinandersetzt, sich im Bezug zur Außenwelt
hinterfragt. Zuletzt und am intensivsten dann, wenn ein Mensch in der Kommunikation
mit der Außenwelt in Schwierigkeiten gerät, auf sich selbst zurückgeworfen
wird und als folge davon in sich gefangen ist. Da bleibt oft nur noch das Selbstgespräch.
Dieses setzt sich in uniliteral zu einem fließenden Bewegtbild zusammen.

Barbara Hauser: ohne Titel, 2004, 7 Min.
Wer ist Mutter, wer ist Tochter? Wer ist Täter, wer ist Opfer? Ist die
Mutter Tochter? Ist die Tochter Mutter? Wird die Tochter zur Mutter? Wer ist
Täter?

Birgit Laggner: Die Moni – Ein Gespräch über Bilder, 2003, 17 Min.

Das Photo als verzögertes Spiegelbild. Fragen zur Eigenwahrnehmung.

Doris Schmid: Surface de l´eau, 2003, 4 Min.
Der Raum ist ins Halbdunkel getaucht. Wir sehen das Spiegelbild einer Frau,
die uns anschaut.
Sie wäscht ihr Gesicht mit kaltem Wasser. Durch diese Berührung beginnt
ihr Spiegelbild ein Eigenleben.
Plötzlich blickt uns ein fremdes Gesicht entgegen. Dieses muss weiteren
unbekannten Personen weichen.
Die Bilder beginnen bedrohlich zwischen den Realitätsebenen zu springen.
Der Ton spielt eine zentrale Rolle im Halbdunkel des Badezimmers.
Ausgangspunkt für diese Komposition (Musik: Thomas Peter) sind Geräusche
und Klänge der Selbstvergessenheit und der Gefahr.