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Ausstellungen Austausch

KORRELATIONEN II – ÖSTERREICHISCHE KÜNSTLER_INNEN IN FINNLAND

NORTHERN PHOTOGRAPHIC CENTER IN OULU UND IM PERI – CENTRE OF PHOTOGRAPHY IN TURKU, FINNLAND

13. Juni 2003 – 31. August 2003

Iris Andraschek (AT), Renate Bertlmann (AT), Maria Hahnenkamp (AT), Ina Loitzl (AT), Michael Michlmayr (AT), Fiona Rukschcio (AT), Ingeborg Strobl (AT)

Eröffnung: Donnerstag, 12.6. 2003

Die FOTOGALERIE WIEN führt jährlich einen Kunstaustausch mit einer ausländischen Galerie oder Institution durch, 2002/2003 mit Finnland. Teil I des Austauschprojektes, KORRELATIONEN /KORRELAATIOITA, die Präsentation finnischer Positionen in Österreich, war im Juni 2002 in der FOTOGALERIE WIEN in Wien und – auf unsere Vermittlung hin –  im Dezember 2002 im Fotoforum West in Innsbruck zu sehen. Die Ausstellungen in Österreich waren überdurchschnittlich gut besucht, das Interesse an finnischer Kunst und die Resonanz auf das Gezeigte enorm. Teil II mit österreichischen Positionen ist nun in Finnland im Northern Photographic Center in Oulu und im Peri – Centre of Photography in Turku zu sehen.

Welche Faszination am „Anderen“, am „Fremden“ einerseits und welche Verbindung – Überschneidung im Denken und Arbeiten – andererseits gibt es zwischen den KünstlerInnen dieser beiden Länder? Interressant für uns als Kuratorium eines ersten Angebotes von 20 österreichischen KünstlerInnen und dann der definitiven Auswahl der finnischen KuratorInnen von sieben Positionen war das Ergebnis: Warum waren es gerade die erzählerischen, lyrisch-poetischen und auch psychologischen Arbeiten, in denen das „innere“ Bild und die Befindlichkeit thematisiert werden, die auf besonderes Interesse gestoßen sind, und die eher konzeptuellen, dokumentarischen Arbeiten mehr oder weniger exkludiert wurden?

Waren nicht die Arbeiten der finnischen KünstlerInnen ebenfalls vornehmlich im Feld der subjektiven und inszenierten Fotografie – einer inneren, emotionalen Qualität – angesiedelt? Waren nicht auch die Poesie und Opulenz, Kraft und Präzision der Bildkompositionen in der finnischen Schau das Beeindruckende? Kein „schneller“ Schuß, nicht lapidar en passant, keine simple Narration von Gesehenem, sondern immer präzise komponierte und inszenierte Reflexionen über das Sein.

Wir leben in einer vernetzten Welt. Austausch über Kunst, Tendenzen und Auffassungen findet permanent statt und beinflußt Haltungen in der Kunst. Trotzdem sind wir der Ansicht, daß es so etwas wie länderbezogene und regionale Ausprägungen gibt. Kultur, Geschichte, Politik und Gesellschaftsstrukturen sind die Keimzellen, aus denen heraus wir zu operieren beginnen und unsere künstlerischen  Haltungen erarbeiten.

Eine Frage, die wir als Kuratorium eher aufwerfen als beantworten möchten, ist: Gibt es Parallelen in Auffassungen und Themenwahl der Kunstschaffenden in Finnland und Österreich?

Ein wirklicher Unterschied zwischen den finnischen und österreichischen KünstlerInnen, die an dem Kunstaustauschprojekt beteiligt sind, ist, daß die finnischen Beiträge fast ausschließlich von reinen FotokünstlerInnen stammen, hingegen die österreichischen TeilnehmerInnen vorwiegend aus dem Bereich der bildenden Kunst kommen und medienüberschreitend arbeiten: Fotografie, Collage, Video, Grafik, Maleriei, Installation, digitale Bildbarbeitung. Dieses Faktum ist schnell erklärt, gab es doch bis vor kurzem keine Möglichkerit des Studiums für künstlerische Fotografie in Österreich. Fotoinstitutionen und Galerien, die fast alle zu Beginn der 1980-Jahre gegründet wurden, lassen sich an einer Hand abzählen. Und trotzdem, das Interesse am Medium Fotografie in Österreich ist bereits seit vielen Jahren ein überaus großes, wurde aber mit einigen rein fotografisch operierenden Ausnahmen, vor allem von KünstlerInnen die aus dem Bereich der bildenden Kunst und neuen Medien kommen benutzt und vorangetrieben.

Zu den österreichischen Positionen:

Iris Andraschek *1963 in Horn. In den Ausstellungen wird ihre neueste Arbeit O.T., Canada 2002/2003 (Fotobücher) zu sehen sein. Sie befaßt sich vorwiegend mit der Beobachtung und Interpretation ihres eigenen Lebenraumes. Das besondere Merkmal in ihren Arbeiten jedoch ist, daß banal Vertrautes durch von ihr ganz gezielt eingesetzten Verfremdungen in eine  seltsame Welt umkippen, die zwischen bezaubernd und beklemmend changiert. Diese neue Welt irritiert und verstört, eröffnet aber gleichzeitig Freiräume einer möglichen Neubetrachtung und Reflexion über gesellschaftliche Strukturen und Normierungen. Andraschek entwickelte oftmals künstlerische Projekte im öffentlichen, vor allem ländlichen Raum.

Renate Bertlmann *1943 in Wien. Sie zeigt die Fotoarbeiten: Zärtliche Berührungen (1976) in Kombination mit Slime (2000) und R. watchning her star war models (2000) in Kombination  mit 3 star war models (2000). Ihre Arbeiten sind oft schrill, provokant, ironisch, jedoch überaus humorvoll, liebevoll und subtil. Sie umkreisen Themen wie: Kitsch, Mode, Liebe, Sexualität, Tabus, Pornografie, Geschlechterkampf, Rollenklischees, … Die Wurzeln ihrer künstlerischeren Praxis liegen in der Performancekunst, weiters sind und waren Objekte, Zeichnungen und Fotografien Teil ihres ernormen Oeuvres. Sie möchte ihre Arbeiten nicht als feministischen Diskurs verstanden wissen, sondern als eine persönliche Annäherung an den vorher erwähnten Themenkreis. Ihre neuesten Arbeiten sind Videos, Short Cuts , die in neuer Form meist alte Arbeiten umkreisen, verdichten und neuinterpretieren.

Maria  Hahnenkamp *1959 in Eisenstadt.  Sie zeigt Fotoarbeiten aus ihren neuen Serien: O.T. (aus der Serie eine Frau) und O.T. (aus der Serie zwei Frauen) von 2001/2002. Ihre Arbeiten thematisieren die aus Geschichte, Tradition, Kunst und diversern heute verwendeten Medien stattgefundene Fixierung und Reproduktion des Weiblichen. Der Blick, der hierbei untersucht wird, ist in erster Linie der von „außen“. Dieser wird zwar kritisch analysiert, jedoch nicht im Sinne von Analyse und Dokumentation, sondern in einer sehr poetisch fragmentierten, fast abstrakte Bildsprache neu bewertet und interpretiert. Das Subjekt wird zum Objekt der Untersuchungen, das Physische, der Körper stehen im Mittelpunkt, die Zusammenführung kollektiver Erinnerung und persönlichem Erleben ist hierbei von Bedeutung. Maria Hahnenkamp arbeitet oftmals auch mit Diainstallationen, in denen filmische Prozesse angesprochen werden.

Ina Loitzl *1972 in Klagenfurt. Erstmals sind ihre Rubbelbilder, 1997–99, öffentlich zu sehen. Haushaltskataloge und Flyer – ein Warenangebot, das speziell Frau glücklich machen soll und an Frau adressiert ist: Versandhauskataloge – der Wunschkatalog für die ganze Famili –, Sexartikelkataloge – eher an ihn als an sie gerichtet –, TV-Werbung –  je nach Produkt auf sie oder ihn abgestimmt –, Werbung in Zeitungen, Magazinen, im öffentlichen Raum, im Internet … Das sind die Ausgangsmaterialien von Ina Loitzl, um eine grotesk humoristische Persiflage auf gesellschaftliche Klischees, Wunsch- und Wertvortstellungen, die durch Werbung einer konsumorientierten breiten Masse suggeriert wird, zu zeichnen. Ihre Frottagen sind eine bissige Abrechnung mit dem uns umgebenden Kitsch, der Dummheit und den „never ending stories“ – den ausgefeilten Schlachtplänen der Waren- und Werbeindustrie, aus denen die Träume unseres Seins, unserer Befindlichkeit gestrickt werden.

Michael Michlmayr *1965 in Wien. In den Ausstellungen werden seine neuesten digitalen Fotoarbeiten „Passages“, 2001/2002, gezeigt. Seine Arbeiten sind digitale Bildverdichtungen, Bildkompositionen, in denen mehrere Szenen eines bestimmten Ortes aneindergereiht und ineinander verwoben oder auch multipliziert werden. Die panoramaähnlichen Formate zeigen durch diese digitalen Eingriffe Szenen einer Wirklichkeit, die so nie stattgefunden haben kann. Beim Betrachten dieser Arbeiten, beim Entschlüsseln der zeitlich verwobenen Handlungsabläufe wird die Nähe zu filmischen Inszenierungen und Bühnendramaturgien augenfällig. Wirklichkeit wird neu definiert, das Drama, die Konfrontation des Augenblicks neu bewertet.

Fiona Rukschcio *1972 in Wien. Sie präsentiert die Arbeit Rome (Foto-Textcollagen) von 2000. Sie reflektiert auf sehr persönliche, kritische,  aber auch humorvolle Art und Weise weibliche Positionierung schlechthin sowie die der Künstlerin in unserer heutigen Gesellschaft und im Kunstbetrieb. Neben Fotografie und Fototextcollagen ist sie vor allem im Bereich Video tätig.

Ingeborg Strobl * 1949 in Schladming. Ihre Arbeit To Be von 2002/2003 (Diashow) , die sie speziell für die Ausstellungen in Finnland entwickelt hat, ist eine Art Zusammenfassung ihrer künstlerischen Ideen und Fotografien der letzten Jahre mit Einbezug von Texten und neu enstandenen Fotografien, die das Leben, den Lebensfluß beschreiben. Schönheit, Verfall, Werden und Vergehen, Natur, Jahreszeiten, Landschaft sowie die Präsenz und Beeinflussung des Menschen werden zitiert.

Seminar mit Vorträgen (KünstlerInnen und Leitung FOTOGALERIE WIEN) und die Präsentation einiger Videos der TeilnehmerInnen zu beiden Ausstellungen.