Kurator:innen: Federica Muzzarelli und das Kollektiv der FOTOGALERIE WIEN
Open doors: Montag, 22. Juni 2026, ab 17.00 Uhr im Italienischen Kulturinstitut,
Ungargasse 43 A, 1030 Wien
Eröffnung: Montag, 22. Juni 2026, 19.00 Uhr: FOTOGALERIE WIEN
Einführende Worte: Carla Vordermayer
Finissage, Katalogpräsentation & Sommerfest:
Samstag, 18. Juli, 19.00 Uhr im Italienischen Kulturinstitut,
Ungargasse 43 A, 1030 Wien
Für die Finissage bittet das Italienische Kulturinstitut um Anmeldung auf der mittels QR-Code erreichbaren Seite.

Was denkst du über Feminismus? Ausgehend von dieser Frage versteht sich die Ausstellung als Raum der Reflexion, in dem Positionen aus Österreich und Italien über Zeit und Raum hinweg in Dialog treten. In der FOTOGALERIE WIEN und im Italienischen Kulturinstitut in Wien gezeigt, ist die Schau das Ergebnis einer Zusammenarbeit dieser Institutionen mit Federica Muzzarelli, Professorin für Fotografie und visuelle Kultur der Universität Bologna. Italienische Künstlerinnen aus der Sammlung Donata-Pizzi werden mit österreichischen Künstlerinnen vereint, deren Werke an den Ausstellungsorten in Beziehung zueinander treten.
Ein zeitlicher Bogen von den 1960er-Jahren bis zur Gegenwart zeigt Fotografie als Mittel des Widerstands und der Selbstdarstellung in einem patriarchal strukturierten Umfeld. Die Werke bringen unbeachtete Narrative ans Licht, fordern Präsenz ein und zeigen alternatives Denken. Die Ausstellung begreift sich als fortlaufender Prozess des Hinterfragens und neuen Sehens, durch den feministische Perspektiven den Rahmen der Fotografie immer wieder sprengen.
Liliana Barchiesi porträtiert in ihrer Schwarz-Weiß-Fotoserie Le Casalinghe auf ironische Weise Frauen in ihren privaten Räumlichkeiten, die sich mit ihren bevorzugten Haushaltsgegenständen präsentieren. Die Reihe bietet einen Blick in ihren Alltag und regt zum Nachdenken über Ungleichheiten in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft an.
Tomaso Binga ist die von Bianca Menna geschaffene männliche Identität als Protest gegen sexistische Ungleichheiten in Kunst und Kultur. In Oggi Spose (Heutige Bräute) inszeniert sich Binga als Braut sowie als Bräutigam und hinterfragt damit Geschlechterrollen und Stereotypen. In Amore bildet Binga das Wort LOVE aus ausgeschnittenen Fragmenten des weiblichen Körpers, die aus diesen Buchstaben gefaltet werden.
Lisetta Carmi stellte in der Serie I Travestiti zwischen 1965–1970 Transgender-Personen dar, die in der Via del Campo in Genua lebten, der Hauptstraße der Stadt für Prostitution. Als erste Künstlerin, die das Leben von LGBTQ-Personen in Italien porträtierte, arbeitete Carmi in einer zutiefst konservativen Gesellschaft, in der Geschlechtsidentität ein Tabu darstellte.
Martina Della Valles Arbeit The Post-It basiert auf einem gefundenen Fotoalbum, in dem nackte Frauenkörper teilweise mit Post-its bedeckt sind. Indem sie diese zensierten Seiten reproduzierte, reflektiert Della Valle über Wahrnehmung und den subjektiven Akt des Verhüllens.
Julia Fuchs hinterfragt in ihren fotografischen Arbeiten Rethinking History – An der Akademie männlich dominierte Kunsttraditionen. Durch den Rollentausch werden Frauen zu Beobachterinnen, Männer zu Objekten, was zum Nachdenken über Macht, Wahrnehmung und festgefahrene Normen anregt.
Lena Rosa Händles Schwarz-Weiß-Fotografien Diese Hände – eine Welt ohnegleichen zeichnen die Entwicklung verborgener lesbischer Codes von den 1920er-Jahren bis heute nach. Händle folgt den Spuren der Tänzerin Tilly Losch, der Malerin Mariette Lydis und der Künstlerin Claude Cahun. Die fotografisch überlieferten Gesten werden neu interpretiert und knüpfen an weiblich geführte Fotoateliers der 1920er-Jahre als Orte internationalen Austauschs an.
Maria Hahnenkamp hinterfragt patriarchale Strukturen und die mediale Inszenierung des weiblichen Körpers. Die Fotoserie Cut-Out zeigt fragmentierte, eingeengte Frauenkörper mit Ornamenten und Textbändern mit Zitaten der US-amerikanischen Philosophin und Sozialwissenschaftlerin Judith Butler. Der Pigment-Print Kleid, ein Videostill, zeigt einen fragmentierten Frauenkörper im blutroten, ornamental bestickten Kleid.
Veronika Höschs Videoessay Another HerStory begleitet die dritte Präsentation der Kunstsammlung der österreichischen Juristin Alexia Stuefer mit Werken von Künstlerinnen in ihren privaten Räumen. Der Prozess des Aufhängens wird sichtbar und offenbart Entscheidungen und sich wandelnde Hierarchien.
Giulia Iacolutti begleitete für ihre Cyanotypie-Serie Casa Azul Transfrauen in einem Männergefängnis in Mexico-Stadt, wo sie gezwungen werden, blaue Kleidung zu tragen. Ihre Identität wird durch die Uniformität und Haft geprägt und zeigt ihren Widerstand dagegen, in ihnen aufgezwungenen Rollen zu existieren.
Soli Kiani thematisiert in ihren Schwarz-Weiß-Fotografien Silent Protest den Verlust von Kontrolle und Freiheit im Iran. Ein Mann vollführt stille Gesten der Solidarität mit Frauen und verweist damit auf Menschenwürde und Widerstand.
Jakob Lena Knebls Fotografie Chesterfield verweist auf ein klassisches englisches Sofa und überträgt dessen Form auf den Körper der Künstlerin. Das Werk, das häufig in von Männern dominierten Clubumgebungen anzutreffen ist, hinterfragt ein spezifisches Geschlechterverständnis, Körpernormen und die Darstellung von Frauen als Wohlfühlobjekt für männliches Verlangen und Befriedigung.
Karin Mack reflektiert in ihrer Serie Zerstörung einer Illusion anhand von Montagen und Collagen ihre eigenen Erfahrungen. Indem Mack idealisierte Frauenbilder zerlegt, deckt sie deren Instrumentalisierung auf und schafft Raum für die Entstehung eines neuen Bildes.
Paola Mattiolis Cosa ne pensi del femminismo zeigt eine Puderdose, deren Innenseite mit Bildern einer Kundgebung in Mailand aus dem Jahr 1974 verziert ist und die am Boden einen Spiegel enthält. Indem sie die Betrachtenden mit dem Blick der Frauen reflektiert, stellt sie die Frage: Was hältst du von Feminismus?
Eva Schlegel zeigt Frauenbilder als verschwommene Fotografien. Sie nutzt Unschärfe gezielt als gestalterisches Mittel: Die Frauenköpfe erscheinen als aufgelöste, undeutliche Darstellungen ohne erkennbare Züge, Identitätsmerkmale und Emotionen und entziehen sich so jeder Objektivierung.
Alessandra Spranzi greift in Tornando a Casa auf Zeitschriftenbilder aus den 1960er-Jahren zurück, die idealisierte bürgerliche Innenräume zeigen. Durch das Einfügen von Flammen wird die ruhige Atmosphäre gestört, und der häusliche Raum mutiert zu einem Ort voller Spannungen und Unbehagen. In Cose che Accadono verleiht Spranzi Alltagsgegenständen einen surrealen Aspekt – beispielsweise, indem unter einem Tisch, den sie von ihrer Großmutter geerbt hat, ein Paar Beine zum Vorschein kommt.
Moira Zoitls Zwei-Kanal-Videoinstallation Küchen Torso greift die Frankfurter Küche von Margarete Schütte-Lithotzky und den Belvedere-Torso in Rom auf und verbindet Hausarbeit, funktional geprägte Körper und traditionelle Geschlechterrollen.