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Ausstellungen On Tour

TRANSFORMATIONEN / TRANSFORMATIONS

Fotogalerie auf Wanderschaft: Österreichisches Kulturforum Tokyo - Japan

10. März 2006 – 18. März 2006

Joerg Burger (AT), Anja Manfredi (AT), Klaus Pamminger (AT), Fiona Rukschcio (AT)

Eröffnung: 9. März, 19.00
Begleitprogramm: Montag, 13. März, 19.30

Da die FOTOGALERIE WIEN im ersten Halbjahr 2006 (Februar – Ende August) generalsaniert
wird, begibt sie sich in dieser Zeit auf „Wanderschaft“.

Sie ist zu Gast in/an verschiedenen Institutionen und Orten im In- und Ausland.
Die erste Station: Österreichisches Kulturforum Tokyo.

Ausgehend von Assoziationen zu Japan – von kulturellen und traditionellen Eigenheiten,
wurden 4 KünstlerInnen von Susanne Gamauf / Fotogalerie Wien und Arnold
Obermayr / Österreichisches Kultuforum Tokyo ausgewählt, in deren
Arbeiten ähnliche und auch verfremdete „westliche Parallelwelten“
zu finden sind.

Joerg Burger:
Zen – die Ruhe – Kontemplation – der perfekte Moment
Anja Manfredi:
Gesellschaftliche Inszenierungen – Rituale – Etiketten – Ich-Analyse
Klaus Pamminger:
Symbole – Zeichen – Muster – Tradition versus Alltag und Medienflut
Fiona Rukschcio:
Comics – Mangas – Heldin der Headlines

JOERG BURGER
Joerg Burger fotografiert unsere/seine alltägliche Umwelt. Mit dem Blick
des Flaneurs fokussiert er banale Situationen, Gegenstände und deren Details
und rückt sie so in den Mittelpunkt (unserer) Aufmerksamkeit.
Durch dieses Hervorheben wird die Skurrilität so mancher Situationen erst
bemerkbar, entwickeln scheinbar beiläufig vorgefundene Objekte skulpturale
Qualitäten.
Isoliert, und wie in klassischen Stilleben um ihrer selbst Willen abgebildet,
können Architekturen (im weitesten Sinn) zu artifiziellen Zeichen werden,
die plötzlich Assoziationsräume zulassen, die sich nicht sofort erschliessen
bzw. in keiner Weise vorgegeben sind.
Abgesehen von diesen, sehr speziellen Assoziationen, geben uns die Fotografien
keinerlei Hinweis auf eine mögliche Lesart.
Weder ist eine „vordergründige Erzählung“, noch eine „erkennbare
Ordnung“ in der Auswahl der Motive angelegt, vielmehr die Unmöglichkeit
reflektiert, Eindrücke und Stimmungen der Linearität zu unterwerfen,
wo sie in ihrem flüchtigen Charakter meist
nur für kurze Zeit ein eindeutiges, stimmiges Bild ergeben.
Die Ambivalenz in Joerg Burgers Fotografien entsteht nun gerade im Widerspruch
der scheinbaren Momentaufnahmen zu ihrer stillebenhaften Präsentation der
Motive in der perspektivisch genau konstruierten, beinahe schon „gebauten“
Anordnung im Bildraum: es tritt eine zeitliche Dimension hinzu, die nichts mehr
mit dem flüchtigen, herumstreifenden Blick zu tun hat, sondern mit bewusst
kalkulierter Inszenierung, die sich sowohl an real Erlebtem wie an Bildern und
Szenarien aus den Massenmedien orientiert.
Und, uns wird damit zwar das Was vorgegeben, das Wie jedoch bleibt uns selbst
überlassen. (Claudia Slanar)

ANJA MANFREDI
Uraufführung, 2005
Ich bin ein Baustein dieser Welt, unter diesem Aspekt steht mein Versuch das
Thema der inszenierten, manchmal unbewussten Selbstdarstellung, in Form von
Figuren-Fragmenten, dem Betrachter begreifbar zu machen.
Außerhalb stehend, als wenn man auf seinen eigenen Körper blicken
würde, versuche ich meine DarstellerInnen in Ordnung, in Beziehung zu der
(Traum)welt zu bringen, deren Topologie jedes Mal aufs Neue zu bestimmen, diese
dort einzuschreiben, ihnen neue Zugehörigkeiten zu geben, die Deformierung
der Figuren voranzutreiben, Gedankenbilder an die Wand zu projizieren, sich
selbst immer wieder zu reproduzieren, seine eigene Auflösung (über
unzählige Figuren) voranzutreiben, bis…?
Ich benütze Tischbühnen um darauf in den unterschiedlichsten Rollen
auftreten zu können.
Themen für meine DarstellerInnen finden sich u.a. in den Ritualen der Kunst,
ich greife die Geste im Ritual auf und durch Verinnerlichung findet eine Verkörperung
in Form von Fotografie statt. In diesen stattfindenden Metamorphosen und Projektionen
auf den Betrachter wird eine Trennung von dem Ich und dem Anderen eingeleitet.
So gesehen finden wir uns im imitierten Spiel auf der öffentlichen Bühne
wieder, mit Freunden und Bekannten wird Nachahmung und Veräußerung
ausprobiert.
Ich und die Anderen, die Anderen und Ich, die Anderen sind Ich, Ich bin die
Anderen

KLAUS PAMMINGER
daily patterns
(…) In daily patterns breitet sich die mediale Verfasstheit von Wahrnehmung
öffentlicher und privater Bereiche in vielfältigen Mustern über
das gesamte Interieur des Wohnraums aus. Tapeten und Textilbezüge als alltägliche
Schon- und Verschönerungsformen sowie tapetenartige Bilder werden zu Manifestationen
des medialen Alltags. Berichte aus dem Fernsehen oder dem www gerinnen zu Rapporten,
deren Kontextualisierung durch die Komprimierung der Motive codiert ist.
Die repititiven Berichterstattungen und die Konstruiertheit von medialen Formaten
werden selektiert und transformiert, um sie in andere Wahrnehmungskontexte einzubinden.

Mit zunehmender Erschließung der Motive wächst das Unbehagen und
das Misstrauen in einem solchen Ambiente, das zunächst noch durch spezielle
artifizielle Anfertigungen ein Flair von exklusiver Behaglichkeit zu verbreiten
vermochte. Selbst die mediale Scheinerlösung durch das TV-Programm bleibt
verwehrt: Auf einem Monitor läuft eine rapportartig verfremdete Fernsehshow
in Endlosschleife. Gefangen in symmetrischen Systemen und deren zahlreichen
kombinatorischen Möglichkeiten, wechseln abstrakte Wahrnehmung und Wahrnehmung
von realen Motivsplittern je nach Distanz. (…)
(aus: „Mustergültige Rapporte“ von Nicola Hirner, BILDER 194,
Fotogalerie Wien 2004)
Vergleichbares gilt für die pattern-card Serie. Auch hier funktionieren
die Motive vorerst wie hübsche Vexierbilder und dann – je nach Distanz
und Konzentration der Betrachter – eröffnet sich der Inhalt im Detail.
In Postkartenform verbreitet, werden die Daten aus Massenmedien wieder in eine
visuelle Konsumwelt des Alltags zurückgeworfen.

FIONA RUKSCHCIO
Wer sucht wen oder was?
Das Ausgangsmaterial für die Collagen von Fiona Rukschcio bildet Found
Footage aus Printmedien und Werbeprospekten, das sie häufig mit Malerei
verbindet. In atmosphärischen Settings im Kreis von ProtagonistInnen aus
Celebrity und Entertainment Gossip performt die Künstlerin vielfach selbst
in unterschiedlichen Rollen und Posen: Fremde und eigene Identitätsentwürfe
treffen unvermittelt aufeinander.
Transformierte Textfragmente mischen sich unter die Schnappschüsse und
Appetizer des medialen Alltags; durch ihren assoziativen Einsatz produzieren
sie Mehrdeutigkeiten, und die wörtlichen Einschübe gewinnen selbst
dem Kalauer Qualitäten ab.
(Nicola Hirner)